Freitag, 3. Juni 2011

Der Was-auch-immer-Tag

Als Sara und ich uns gestern auf einen Kaffee trafen, mussten wir erstmal zwischen betrunkenen, grölenden und im Gesicht krebsroten Männerhorden Spießrutenlaufen, denn: es war Herrentag. Oder, wie ich es aus Baden-Württemberg kenne, Vatertag. Oder auch Christi Himmelfahrt, oder anscheinend auch Männertag. Was ist denn dieser Tag denn nun eigentlich?

Laut Wikipedia stammt der Brauch, an diesem ursprünglich christlichen Feiertag den Vater zu ehren, aus den USA. Hier in Ostdeutschland wird allerdings nicht so sehr der Vater geehrt wie der Alkohol. Die gemeinsamen Männerausflüge scheinen ihren Ursprung tatsächlich in der Berliner Gegend zu haben und früher – so ein schönes Wikipedia-Zitat – der „Einweihung der Jüngeren in die Sitten und Unsitten von Männlichkeit“ gedient zu haben. Als mein Freund gestern Abend mit leuchtenden Augen und blauen Flecken, mäßig betrunken und völlig verdreckt zurückkam vom Ballspielen im Wald, fühlte ich mich wie die Mutter aus einer Waschmittelwerbung und dachte mir, anscheinend müssen Männer einfach hin und wieder ihre Männlichkeit demonstrieren. Was auch völlig OK ist, wenn sie den Rest des Jahres mit emanzipierten selbstbewussten Frauen klarkommen und Geschirr spülen. In anderen Kulturkreisen kämpft man mit Bären oder stürzt sich mit einer Liane um den Fuß von einem Holzgerüst. Da ist so ein bisschen saufen und Ballspielen doch harmlos.


Allerdings hab ich dann doch einen Verbesserungsvorschlag: Am Frauentag sollten (abgesehen von Demonstrationen zur Gleichberechtigung, die natürlich auch wichtig sind) alle Frauen in großen Gruppen kichernd, quietschend und sekttrinkend durch die Gegend ziehen und den einzelnen, verschüchtert vorbeihuschenden Männern Anmachsprüche hinterhergrölen. Wer ist dabei?

Kommentare:

  1. Haha, ich gut gelacht. Aber du musst dir ja zum Glück wirklich keine Gedanken machen. Dein Freund geht was die Emanzipation angeht doch mit bestem Beispiel voraus! Die Idee mit den sektsaufenden Frauen hatten wir gestern Abend beim "besoffene dicke hässliche Männer im Unterhemd, die auf der Oranienburger die Nutten anquatschen"-gucken auch schon. Also, 8.3. haben wir ein Date mit viel Sekt, würde ich sagen! Soll ich schonmal ein Facebookevent kreiieren?!

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  2. Leider ist am 8.3. aber das Wetter nicht so schön. Gestern Abend (einen Tag nach Vatertag) waren in Buxtehude beim Altstadtfest Horden von Junggesellinenabschieden (mit und ohne Cindykrönchen)unterwegs, das ist doch auch schon sehr ähnlich!

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  3. Das mit dem Wetter ist tatsächlich ein bisschen nachteilig. Aber man kann auch mit Oberbekleidung Spaß haben. Und in ein paar Jahrzehnten steht dann bei Wikipedia: "Der Brauch am Frauentag in großen Gruppen alkoholische Getränke konsumierend durch die Stadt zu ziehen stammt aus der Berliner Gegend, genauer aus dem skandinavischen Viertel im Prenzlauer Berg."
    ;)

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