Freitag, 3. Juni 2011

Der fremde Mann im Schlafzimmer

Ich wollte sowieso schon lange etwas über meine WG schreiben. Denn diese WG, die seit ihrer Gründung 2005 unter dem klangvollen Namen "House of Fun" läuft, schreibt einfach die besten und verrücktesten Geschichten: seltsame Mitbewohner, furchtbare Zwischenmieter, eine unfähige Hausverwaltung, endlose Bauarbeiten, wilde WG-Partys, großartige Küchentischdiskussionen und zwischenmenschliche Dramen. Das ist das pure wahre Leben hier und immer unterhaltsamer als jede Daily Soap. Ich habe schon lange aufgehört, Verbotene Liebe und Lindenstraße zu gucken, weil das, was sich in unserer Wohnküche abspielt, besser ist als alles, was sich die Drehbuchautoren so ausdenken können. Und irgendwann, wenn ich mal arbeitslos, hochschwanger im Mutterschutz oder im Erziehungsjahr bin, schreibe ich ein Buch mit gesammelten WG-Geschichten und tingel damit durch die deutsche Talkshowelite!



Hier schonmal die erste Geschichte auf dem Blog, da das mit der Arbeitslosigkeit sich ja nun erstmal erledigt hat:

Ich bin froh, seit letzten Samstag ein extremes Schlafdefizit mit mir durch die Woche zu ziehen, sodass ich letzte Nacht ganz tief und fest geschlafen habe. Tiefer und fester als in der gesamten Woche zuvor. Gott sei Dank! Denn hätte ich nicht so fest geschlafen und wäre wie meine Mitbewohnerin aufgewacht, dann hätte ich wohl so laut geschrien, dass alles 32 Mietparteien unseres Hauses wach geworden wären. Oder hoffentlich mindestens meine drei Mitbewohner, die mir dann sofort zur Hilfe geeilt wären. Außerdem wäre ich nicht wieder eingeschlafen und würde so lange auf dem Sofa meines besten Freundes übernachten, bis der Zustand geklärt ist. Aber zum Glück  habe ich tief und fest geschlafen, sodass das Schicksal meine Mitbewohnerin traf.

Die lag ebenfalls schlafend und nichts ahnend im Bett, als sie aufwachte, weil jemand in ihrem Zimmer stand. Ein Mann. Ein Mann, den sie noch nie im Leben gesehen hatte. Ein Mann, den auch sonst noch nie jemand der anderen vier Mitbewohner gesehen hatte. Aber das wusste Anna zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch nicht und ging davon aus, dass der unbekannte Mann zu mir gehöre.

Mein Mitbewohner Michel, bei dem der unbekannte Mann einige Minuten vorher im Zimmer gestanden hatte, hatte ihn für unseren Mitbewohner Marc gehalten und gedacht, dass dieser sich nach den exzessiven Herrentagsfeierlichkeiten einfach in der Tür geirrt habe. Für Verwunderung bei Anna sorgte dann die Tatsache, dass der unbekannte Mann permanent mit einer Packung Kondome wedelte und offensichtlich doch nicht zu mir gehörte. Denn er fragte mehrfach auf englisch nach dem "Irish girl". Eine Irin haben wir in der WG tatsächlich nicht zu bieten.

Woher kam also der Mann mit den Kondomen? Und wo war die Irin? Und wieso war dieser Mann IN unserer Wohnung und IN Annas Schlafzimmer. Zum Glück erinnerte sich Anna auch mitten in der Nacht und unter Schock stehend daran, dass unser Mitbewohner gerade vor einigen Tagen erzählt hatte, dass in der WG, die gerade neu in die Wohnung gegenüber einzeogen war, eine irische Zwischenmieterin wohnt. Also nahm Anna den Mann mit seinen Kondomen und brachte ihn in die WG gegenüber, wo er mit seinen Kondomen zur gesuchten Irin fand.

Heute Morgen nach einem Krisengespräch beim Frühstück und der Feststellung, dass alle Schlüssel der WG gegenüber in unsere Wohnungstür passen, ging der erste Anruf an die neue Hausverwaltung, die nun ganz schnell beweisen kann, dass sie nicht ganz so unfähig ist wie die alte ist und gaaaaaaaaaaaaaaanz flott, die Schlösser austauscht, damit bitte jeder nur noch den nächtlichen Herrenbesuch empfängt, den er auch so bestellt hat!

Kommentare:

  1. Leserwunsch für die nächste Story: Aaron Sleazy!!!!!

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  2. WAHN-SINN! Das House of Fun übertrifft sich immer wieder selbst!

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  3. Is ja mal krass. Allerdings dachte ich, dass man als Mieter normalerweise sein eigenes Schloss einbaut und das Schloss des Vermieters dann beim Auszug wieder einsetzt.

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  4. Das mit dem Schloss kenne ich jetzt so nicht. Man geht ja auch nicht davon aus, dass noch andere Leute einen Schlüssel besitzen. Deswegen haben die Amerikaner immer eine Waffe unter ihrem Kissen. Das Verständnis dafür wächst bei mir, wenn ich sowas lese. :)

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  5. Ich glaub man kann das Schloss nicht einfach so abmontieren ohne die Bestätigung des Vermieters zu bekommen, aber einfach tun geht natürlich auch. Mietrechtlich weiß ich nicht, ob so geht.

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