Montag, 16. Mai 2011

Wo liegt eigentlich Aserbaidschan?

Und ist das wirklich noch Europa? Das waren zwei Fragen, die wir uns im Laufe des Samstagabends immer wieder stellten. Denn zum ersten Mal in meinem Leben habe ich tatsächlich den Gran Prix d' Eurovision de la Chanson geguckt. In den vorherigen 25 Jahren ist dieses kulturelle Ereignis irgendwie immer völlig an mir vorüber gegangen. Selbst dem Lena-Hype habe ich mich gänzlich entzogen. Ich kann mich noch nichtmal im entferntesten daran erinnern, was ich letztes Jahr am Grand Prix-Wochenende getan haben könnte. Ferngesehen habe ich auf jeden Fall nicht.

Ohne ein Lena-Fan in irgendeiner Art zu sein und in der festen Überzeugung, dass sie dieses Jahr sicher gaaaaaaaaaanz schlecht abschneidet, weil niemand in Europa will, dass Deutschland und Lena gleich zwei Jahre in Folge gewinnt und dass eine ganz dumme Idee von Stefan Raab war, startete ich also in europäische Fernseheregnis des Wochenendes. Denn wenn sogar die Australier echte Eurovisionsfans sind, kann es nicht sein, dass ich mich als Europäerin gar nicht dafür interessierte. Eigentlich wollte ich mit meiner Mitbewohnerin und ihren Freundinnen ins Freiluftkino in Kreuzberg. Da das Wetter für eine solche Open-Air-Veranstaltung aber recht suboptimal war, wich ich auf die neue Junggesellen-WG meines besten Freundes aus, die - wie sich das für eine Männer-Junggesellen-WG gehört - neben einem Kicker, einer Dartscheibe und einer Playstation auch mit einem Fernseher ausgestattet ist, der in etwa eine Bilddiagonale hat, die der Diagonale meines Kleiderschranks entspricht.

Pünktlich zum Wort zum Sonntag, das zu unser aller Amüsement ausnahmsweise schon um 20:55 live in Düsseldorf gesprochen wurde, fanden wir uns vor dem Fernseher ein, bei dem die Männer nach einigen Versuchen auch die richtigen Soundeinstellungen gefunden hatten. Ich befand mich in bester Gesellschaft. Ahnung vom Grand Prix hatte keiner von uns. Ein Kumpel meines besten Freundes kam um 22 Uhr dazu und war völlig überrascht: Er hatte gedacht, wir würden gemeinsam Formel 1 gucken.

Dafür dass ich keine Erwartungen an die Show hatte, war ich bestens unterhalten. Da wir selbst ein internes Voting durchführten, bei dem wir alle unsere Punkte verteilen und somit über unseren Favoriten abstimmen konnten, war die ganze Zeit Konzentration und Notizenmachen gefragt. Sonst konnte man bei den ganzen Boy Bands und den vielen osteuropäischen Staaten, deren Namen man sich kaum merken kann, schon etwas durcheinander kommen. Ich musste mindestens bei meiner endgültigen Punkteverteilung drei Mal nachfragen: "Was war noch mal die Ukraine? Die mit dem Sand?"

Und jeder hatte bei seiner Abstimmung ganz andere Kriterien. Während mir die coolen gelben Turnschuhe und das pinke Kleid bei den Esten gefielen, war John vor allem von den Seifenblasen und den Hintergrundeffekten der Schweiz beeindruckt. Lenas Auftritt und Song sagte uns allen nicht so richtig zu. Zu lahmer Song, seltsamer Tänzer im Hintergrund, altersmäßig unpassendes Outfit für Lena. Bei Lenas Platzierung tippten wir zwischen 7 und 15. John lag mit dem getippten 10. Platz absolut richtig. Ansonsten ließ es sich mal wieder bestens über die Franzosen (und auch Belgier) lästern, die im Gegensatz zu allen anderen 41 Ländern nicht in der Lage waren, ihre Punkte in englischer Sprache zu übermitteln

Was das Gesamtergebnis angeht, scheinen wir einen komplett anderen Musikgeschmack zu haben als die restlichen Europäer. Unsere Favoriten Estland, Bosnien & Herzigovina, Moldawien (wie lustig waren bitte die Hüte?!), Island und Spanien haben es nicht so weit nach vorn geschafft, wie wir uns das gewünscht hatten. Ganz zu schweigen von den Schweizer Seifenblasen, die außer John scheinbar nur ein paar Menschen in der Slowakei, Serbien und Großbritannien überzeugten, was dann leider nur für den letzten Platz reichte. Aserbaidschan tauchte übrigens in unserer kleinen Wertung überhaupt nicht auf. In unserer Runde hatte niemand dem Land, von dem keiner so richtig wusste, wo es eigentlich liegt, bis wir Carstens alten Schulatlas herausgekramt hatten, irgendwelche Punkte gegeben. Aber wer will schon einen Mainstreammusikgeschmack?! Das wäre ja völlig uncool.
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Kommentare:

  1. Nee, also bei mir in Erdkunde, nach den gängigen Kriterien, gehört Aserbaidschan ganz klar nicht zu Europa! (Israel übrigens auch nicht!)
    Das Lied von Moldau (oder wie das Land aktuell gerade heißt) fand ich auch ganz interessant, und Lena hat ihr Lied eindeutig viel zu tief angestimmt.

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  2. war da nicht was mit öl? naja, die sänger hätten jedenfalls welches für ihre stimme gebrauchen können, vielleicht hätten sie dann die töne besser getroffen! ;)

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