Mittwoch, 25. Mai 2011

Same procedure as every year


Was ist nur mit den isländischen Vulkanen los! Was haben die in den letzten Jahren bloß für ein Geltungsbedürfnis entwickelt? Wollten die auch unbedingt mal in die internationalen Medien oder was? Wenn es das war, dann haben sie ja ihr Ziel inzwischen erreicht und können aufhören, wie wild herumzuspucken und ganz Europa mit ihrer Asche zu terrorisieren.

Als ich am Montag im Büro in den Radionachrichten vom Ausbruch des Grímsvötn und ersten gestrichenen Flügen in Irland und Großbritannien hörte, dachte ich echt, die lesen aus Versehen die Nachrichten vom letzten Jahr vor. Und nachdem ich mich auf Google etwas ausführlicher informiert hatte, machte ich drei Kreuze, dieses Jahr warm, trocken und sicher im Büro in Berlin zu sitzen und bis Oktober keine fluggebundenen Reisepläne zu haben. Doch ein Blick auf die Facebookstartseite genügt, um zu sehen, dass auch dieses Jahr wieder einige Leute betroffen und genervt sind.

Letztes Jahr erschien mir die ganze Sache noch viel absurder: Ich saß mit zwei Freunden mit unfassbar günstigen Cocktails und noch günstigerem Angkor Wat-Bier am Strand von Sihanoukville , als ich die SMS meines Ex-Freundes erhielt: "Der Frankfurter Flughafen ist wegen isländischer Vulkanasche gesperrt." Wir wussten nicht so richtig, ob wir das für einen verspäteten Aprilscherz, eine unwichtige Meldung oder eine tatsächlich relevante Nachricht für unsere weitere Reiseplanung halten sollten. Kurz darauf schrieb meine Mutter, dass sie allein zu Hause sei, weil mein Vater in Hongkong festsitze und sie auf der Terrasse die Ruhe ohne Flugzeuge genieße. Wenige Stunden später rief mein Vater aus Hongkong an und berichtete, dass er mit zahlreichen Kollegen festsitze und sich jetzt erstmal ein Hemd schneidern lasse. Wir tranken noch ein paar günstige Bier und stellten uns vor, dass es in ganz Europa völlig dunkel sei wie nach einem Bombenangriff, weil wir nicht wussten, wie man sich die flugverkehrsgefährdende Vulkanasche sonst vorzustellen hat.

Die nächsten Tage verbrachten wir neben den normalen Alltagsreiseaktiviäten in Phnom Penh mit dem regelmäßigen Schauen der Nachrichten der Deutschen Welle, die sich um nichts anderes mehr drehten als gestrandete Passagiere, gestrandete Waren, gestrandetes Gepäck, überforderte Fluggesellschaften, busreisende Kanzlerinnen und einen knallharten Ramsauer (oder ist das dieses Jahr neu?). Ich telefonierte regelmäßig mit meinem gestrandeten Vater, der die verlängerte Dienstreise mit Bootsrundfahrten mit gestrandeten Piloten und gestrandeten Flugbegleiterinnen verbrachte und mir riet, so lange in Phnom Penh zu bleiben, bis wieder Flüge von Bangkok nach Europa gingen.



Sobald die ersten Flüge aus Hongkong starteten, stieg mein Vater dort ins Flugzeug und ich in Phnom Penh. Das war eine ganz blöde Idee und der Grund, weshalb ich bis heute schlecht auf Bangkok und isländische Vulkane zu sprechen bin. Denn die Tatsache, dass in Bangkok wieder Flüge nach Frankfurt starteten, hieß leider nicht, dass ich zu den ersten der etwa 900 rückgestauten Passagiere gehörte, die mitfliegen durften. Abend für Abend startete die 23:55 Maschine ohne mich in Richtung Europa. Und im Gegensatz zur Kanzlerin stand bei mir die Möglichkeit, mit dem Bus zu reisen, völlig außer Frage.

Drei unendlich lange Abende am Flughafen, drei kurze Nächte zwischen bekifften Backpackern auf der Khao San, einige verheulte Telefonate mit Papa, einen viertstelligen Ticketpreis und den ersten Businessclassflug meines Lebens später war dann meine persönliche Eyjafjallajökull-bedingte Odysee in Frankfurt beendet - eindeutig luxuriöser als bei Frau Merkel.

Und dieses Jahr muss ich mich glücklicherweise nicht auf die Deutsche Welle (die ich ja nicht mehr mag, weil sie mich inzwischen ZWEI Mal als Volontärin abgelehnt haben) und Telefonate in die Heimat angewiesen zu sein. Stattdessen kann ich zu Hause auf dem Sofa sitzen, Tagesschau gucken, Mitleid mit allen betroffenen Passagieren haben und mich zu freuen, dass ich gleich in mein eigenes Bett gehen kann.

Kommentare:

  1. whoa, ich bin doch ein wenig verwundert! businessclass von bangkok statt mit den reisewuetigen backpackern wilde naechte zu feiern...sara,was war da los?!

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  2. Ich kann die Deutsche Welle auch nicht leiden, weil sie schon drei mal meine Bewerbung als Redaktionsstudentin IGNORIERT hat (noch nicht mal abgelehnt). Und: gut, dass du dieses WE doch nicht nach Lyon geflogen bist!!
    Hey, was ist eigentlich mir der Blogger-Oma passiert? :)

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