Mittwoch, 13. April 2011

Von Pelzmänteln und Latte Matschato


Wenn man häufiger nach Kaffeesahne als nach Sojamilch und nach einem „Pott“ Kaffee als nach Karamellsirup gefragt wird, weiß man, dass man nicht im Prenzlauer Berg sein kann. Wenn dann noch um 12 Uhr mittags Champagner geschlürft wird, ist klar: wir befinden uns in Charlottenburg.
Dorthin verschlägt es mich durch einen meiner Nebenjobs gerade einmal die Woche, genauer gesagt in das Designer-Möbel-Kaufhaus Stilwerk. Dort versorge ich die meist älteren und immer finanziell gut gepolsterten Kunden mit Kaffee und Kuchen. Dass von diesen die wenigsten den korrekten Plural von Espresso bilden oder Latte Macchiato richtig aussprechen können, stört mich eigentlich nicht. Aber ich finde die ganzen Pelzmäntel und -accessoires ein bisschen eklig. Zum Teil haben die Damen einen kompletten Fuchs – inklusive Kopf und Pfoten – um den Hals baumeln.... Wenn sie dann noch das Schoßhündchen untern Arm klemmen, komme ich manchmal ganz durcheinander. Hoffentlich nicht die Frauchen.
Vorteilhaft ist allerdings, dass die Kunden nach dem Kauf eines 7000 €-Steins (ja, so ein Stein ist bestimmt ganz wahnsinnig praktisch – zum Messerschleifen oder zum Beschweren von überdimensionalen Briefen) meist nicht knausrig mit dem Trinkgeld sind. Kaum einer jedoch ist vertraut mit dem Coffee-Shop-Selbstbedienungs-Prinzip. Aber gut, man war eben noch nie in einem Starbucks und mit dem Schoßhund im einen und dem riesigen Stein im anderen Arm trägt man auch schwerlich sein Champagnerglas zum Tisch.
In einer so exklusiven Umgebung darf man sogar Mariella Ahrens und Barbara Schöneberger zu seinen Kunden zählen – wobei ich zugeben muss, dass ich letztere ohne Make-Up und im Freizeit-Outfit überhaupt nicht erkannt habe. Erst als sie mit einem Kollegen über ihre neuesten Projekte quatschte, merkte ich, für wessen Baby ich da grade Grimassen schnitt.
Der Fairness halber muss ich noch erwähnen, dass es durchaus eine Gruppe gibt, die den Altersdurchschnitt nach unten zieht: extrem gut gekleidete junge kreative Designer, die sich entweder Ideen holen oder mit potentiellen Kunden treffen. Aber jedes Mal, wenn ein solch gut aussehender und noch besser riechender Kunde bei mir im Café sitzt und ich schon hundertprozentig davon überzeugt bin, dass er ganz schön mit mir flirtet, kommt ein ebenso netter Herr und knutscht ihn ab. Jedes Mal.



Kommentare:

  1. Wunderbar! Darum mag ich diesen Blog so: Egal, worüber ihr schreibt, ich fühle mich sehr gut unterhalten. Hier zähle ich vier Lacher und zusätzlich eine gute Handvoll Punkte, von denen ich gar nicht wusste, dass sie mich interessieren (aus dem Leben der Charlottenburger halt...)! :)

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  2. Vorsicht mit Äußerungen zu und Beschreibung von Kunden. Es könnten Leser deines Blogs dabei sein und dich anhand deines süßen Fotos wiedererkennen und sich das üppige Trinkgeld sparen....

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  3. Ich fürchte, dass Barbara Schöneberger und Mariella Ahrens den Blog ebenso wenig lesen wie Giovanni di Lorenzo.

    Außer sie haben eine gute Assistenz, die einen Google Alert eingerichtet hat und täglich alles durchschaut, was im Internet so über den Promi geschrieben wird.

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  4. Hihi... Und alle anderen müssen wohl damit leben, dass ich Pelzmäntel doof finde. Vielleicht können sie dann das Trinkgeld, das sie mir nicht geben, an PETA spenden :)

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