Dienstag, 26. April 2011

Bach und das schielende Opossum

 
Leipzig. Die touristischen Sehenswürdigkeiten hat man recht schnell alle durch, denn sie sind alle sehr, äh... zentral gelegen. Man könnte auch sagen, der hübsche alte Teil von Leipzig ist eher von überschaubarer Größe. Aber dafür auch wirklich hübsch. Am bekanntesten sind wohl die Nikolaikirche, die Thomaskirche, das Alte Rathaus und die zahlreichen sehr schicken Passagen, allen voran die Mädlerpassage, wo man sich in Auerbach's Keller für viel Geld einmal Faust und Mephisto ganz nahe fühlen kann. Außer auf Faust sind die Leipziger sehr stolz auf ihren Organisten und Komponisten Johann Sebastian Bach, der wirklich allgegenwärtig ist, und auf Heidi. Nicht die Alm-Heidi und auch nicht die Klum-Heidi, sondern das übergewichtige schielende Opossum Heidi, das im Leipziger Zoo zu Hause ist. 


An Museen hab ich ich an meinem einen Besuchstag nicht viele gesehen, aber die (kostenlosen) Ausstellungen im Zeitgeschichtlichen Forum sind sehr interessant und museumspädagogisch durchdacht - man sollte allerdings einen erhöhten Zeitaufwand und Begeisterungsausbrüche einplanen, wenn man es mit einem angehenden Geschichtslehrer besucht.


Auch in Leipzig gibt es eine etwas alternativ angehauchte Ecke (etwa wie Prenzlauer Berg vor 15 Jahren), nämlich die Karl-Liebknecht-Straße ("Karli"), wo es siffige Hinterhöfe, bemalte Wände, Second-Hand-Läden, eingesächselte Fotoautomaten und zahlreiche Bars und Restaurants gibt, in denen zu Studentenpreisen eigekehrt werden kann. Und noch etwas, das mir persönlich sehr entgegen kommt, gibt es in dieser Stadt en masse: Cafés und Bücherläden. Da die letzteren wie alle anderen Läden am Ostermontag leider geschlossen waren, musste man sich eher auf die Cafés konzentrieren. Abgesehen von den ganz prestigeträchtigen, wie dem Coffe-Baum oder dem Riquet, kann ich das etwas westlich vom eigentlichen Stadtkern, in der schönen Bosestraße, gelegene Luise empfehlen. Leckeres Essen und schönes Ambiente - nur den Unterschied zwischen laktosefreier Kuhmilch und Sojamilch (bäh!), den haben die meisten Leipziger Gastronomen anscheinend noch nicht begriffen. 


Verhungern muss man in Leipzig auch nicht, außer einer auffällig großen Menge an Sushi-Restaurants gibt es ein vielfältiges Angebot und besonders auf dem mittelalterlichen Markt namens Historische Leipziger Ostermesse einige typisch sächsische Spezialitäten, wie zum Beispiel die Kräbbelschn, Verzeihung... Kräppelchen. Und obwohl die Leipziger seltsam reden, sind sie - zumindest die im Service-Bereich und die wenigen, die ich persönlich kenne - extrem nett!
Alles in allem ist Leipzig wohl nicht für längere Urlaube zu empfehlen, aber ich glaube leben kann man dort schon ganz gut. Berlin ist ja auch gar nicht weit weg...




Kommentare:

  1. Bei dem Link stellt sich die Frage: wer ist eigentlich lustiger - Heidi oder Michael?

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  2. Ich war noch nie in Leipzig (und in Dresden auch nicht), daher kann ich nur zwei Dinge bestätigen: Ja, es ist sicher schwierig mit einem Geschichtslehrer ins Museum zu gehen (oder lehrreich)und: Sojamilchprodukte sind eklig!

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