Freitag, 29. April 2011

Tapitas


Jetzt hat meine Lieblingstapasbar auf der gaaanzen Welt doch mal einen Post verdient. Mit ganzer Welt übertreibe ich vielleicht ein bisschen, ich kann mich an eine Tapasbar in Barcelona erinnern, die auch super war, bis dann die seltsamen alten Männer auf einmal mit ihrem katalanischen Theaterstück angefangen hätten... aber das ist eine andere Geschichte.
In Berlin ist das Tapitas in der Gleimstraße auf jeden Fall kaum zu übertreffen. Es ist  unheimlich liebevoll und atmosphärisch eingerichtet, ist ganz klein und hat auch nur winzig kleine Tische - aber es müssen ja meist auch nur kleine Schälchen drauf passen. Außer man nimmt gleich die gemischte Tapasplatte für mehrere Personen, die wirklich sehr zu empfehlen ist. Zusätzlich zum Üblichen (Serrano-Schinken, Chorizo, Manchego, getrocknete Tomaten, Kapernbeeren, Salat usw.) gibt es immer wechselnde warme Tapas, von denen man sich drei aussuchen darf. Ich habe inwischen die Garnelen, die Fleischbällchen, das Hühnchen in Machego-Limetten-Sauce (Favorit!!) und die mit Schinken umwickelten Datteln ausprobiert, und alles war saulecker. Dazu gibt es natürlich Weißbrot und Aioli, also nichts für Knoblauchphobiker. Was man vielleicht schon heraushört: für Vegetarier ist das Tapitas wohl nicht die ideale Wahl, da es kaum was ohne Fleisch oder Fisch gibt.


Zum Wein: zur Schande meiner Eltern, die auf diesem Gebiet sehr bewandert sind, bin ich überhaupt keine Weinkennerin. Es reicht grade mal zu "süß, trocken, viel zu trocken". Aber dass der im Tapitas (auch zum Mitnehmen) verkaufte Zappadorado was ganz besonderes ist, das schmecke selbst ich. Der spanische Weißwein riecht total lecker nach Früchten (meiner Meinung nach Pfirsich, offiziell aber Ananas), schmeckt jedoch eher wie ein trockener Weißwein und gar nicht klebrig süß.

Hmmm... vielleicht doch eine Karriere als Restaurantkritikerin?



Dreieinhalb von zwei Milliarden

Es war DAS Fernsehevent des Jahres. Es war DIE Hochzeit des Jahres. Vor allem aber war es MEIN Fernsehevent des Jahres. Ich bin gerade bei meinem Bruder und meiner Mutter nicht gerade als aktive Fernsehguckerin bekannt. Und es war MEINE Hochzeit des Jahres. Denn zu einer anderen bin ich dieses Jahr eh nicht eingeladen. Okay, bei William und Kate war ich leider auch nicht eingeladen, was sich natürlich nur um ein Missverständnis handeln kann. Aber es hat mich nicht davon abgehalten, letzte Woche ein paar Freundinnen zum gemeinsamen Wedding Watching einzuladen, gestern Abend Sekt einzukaufen und kaltzustellen, mich heute morgen in Schale zu werfen, meine englische und meine australische Fahne (eine britische fehlt mir in der Sammlung leider noch) im Wohnzimmer zu hissen, mir den edlen Zylinder meines Mitbewohners zu leihen und mit ebendiesem auf dem Kopf bei Crackern, Käsehäppchen, englischem Weingummi, weiteren Leckereien und natürlich viel Tee die gesamten sechs Stunden der Berichterstattung im Ersten zu verfolgen.
Das musste einfach sein!

Schon die letzten Wochen habe ich alles zur königlichen Hochzeit gelesen und geguckt, was mir zwischen die Finger und vor die Augen kam. Das war auch nicht besonders schwer. Die Berichte und Reportagen waren allgegenwärtig. Auf allen Fernsehsendern, auf allen Radioprogrammen, in Lokalzeitungen und jeder Art von Zeitschrift. Man konnte der Vorberichterstattung ja noch nicht mal als Spiegel-Abonnent entgehen. Das war übrigens eine sehr informative und lustige Titelreportage des deutschen Nachrichtenmagazins, das mich sonst meistens nicht so aus dem Sessel reißt. Danach wusste ich endlich, dass Kate -genau wie ich- an einer Pferdehaarallergie leidet. Ach, die Parallelen. Nicht nur die dunklen Haare und die starken Augenbrauen... Um ein Haar hätte ich Prince Williams Braut werden können. Wäre ich ihm, der übrigens - wie ich- Linkshänder ist, nur bloß irgendwann begnetet. Aber leider haben sich unsere Wege einfach nie gekreuzt. Und so gönne ich ihm das Eheglück mit seiner brünetten Prinzessin, die nun Duchess von Cambridge ist, und muss mich mit einem Platz am Berliner Küchentisch zufrieden statt am Altar von Westminster Abbey zufrieden geben. Macht ja nix. Ich konnte garantiert länger schlafen als die Brautleute und ihre knapp 2000 Gäste, die schließlich alle vor 8 a.m GMT aufstehen, duschen, zum Frisör, zur Kosmetik, zur Maniküre und sich auch noch anziehen mussten... Den Stress hatte ich nicht.

Von meinen Kolleginnen (ich arbeite in einer Frauenabteilung, in der es nur einen Quotenmann in Werkstudentenposition gibt) waren einige sehr neidisch darauf, dass ich heute meinen freien Tag hatte, während sie die Hochzeit heute höchstens verstohlen mit Kopfhörern im Internet gucken konnten. Vielleicht waren sie aber auch froh, mich heute im Büro nicht in meinem Element erleben zu müssen, weil ich ihnen die gesamte Woche schon mit random fun facts à la "Wusstet ihr eigentlich, dass Kates Ring aus einem Stück walischen Gold gefertigt wurde?" genervt habe. Vorgestern rief mich dann unsere Webmasterin bereits mit einer "Fachfrage" an: "Sag mal, du weißt das doch bestimmt! Wie alt ist Kate eigentlich?" Meinen Ruf als kommunikationsabteilungsinterne Adelsexpertin habe ich somit gefestigt. Leider bringt einem das im Gasturbinensektor wenig. Gestern habe ich im Büro beim Layouten inbrünstig "God Save the Queen" und "Rule Britannia" gesungen. Heute hatten sie im Büro ihre Ruhe und ich bin stattdessen meinen Mitbewohnern, darunter immerhin drei völlig desinteressierte Männer, mit meinem royalen Wissen auf den Geist gegangen.

Um Punkt acht ging mein Wecker, um mir genug Zeit zu geben, mich in mein seidenes Cos-Kleid voller Weinflecken (aber da ja niemand eine Kamera auf unser Wohnzimmer gerichtet hat, war das ja egal) zu werfen, etwas Make-Up aufzulegen und kurz bei meinem heiß geliebten Bäcker Siebert ein paar Schrippen fürs königliche Frühstück zu holen. Um Punkt neun habe ich dann den Fernseher angeschaltet, um ja keine Minute der Berichterstattung meines großen beruflichen Idols Rolf Seelmann-Eggebert und der immer wieder großartigen und für alles einsetzbaren Barbara Schöneberger zu verpassen. Ach ja, Mareile Höppner war auch dabei. Aber die kenne ich irgendwie erst, seit ich letzte Woche in der NDR-Talkshow von ihr erfahren habe, dass sie mal Theologie studiert hat, aber dann durchs Hebraeicum gefallen ist.



Gemeinsam mit zwei Freundinnen und der knapp vier Monate alten am Event nicht so recht interessierten Tochter der Freundin habe ich dann die gesamten sechs Stunden von "Küss mich, Kate" verfolgt und dabei etwa sieben Tassen Tee getrunken. Victoria Beckham hat wie immer nicht gelacht und sich den Hut für den Tag sicher von British Airways Flugbegleiterinnen geliehen. Da gefiel mir der Zylinder ihres Mannes schon wesentlich besser, zumal ich etwas sehr Ähnliches auf dem Kopf trug. Die Queen bewies mit einem kanariengelben Kostüm und farblich abgestimmtem Hut mal wieder ihre Vorliebe für bunte Farben und hat in der Kutsche nach der Trauung tatsächlich sehr großmütterlich stolz gelächelt, während ihr Mann Prince Philip daneben saß und gähnte. Macht ja nix. Mit 90 Jahren als Großbritanniens longest-serving consort und oldest serving spouse of a reigning monarch darf man auch mal müde sein. Tara Parker-Tomkinson, Prince Charles' koksendes Patenkind, versuchte ihre verkokste Nase unter einem Hut zu verstecken, der fast bis zu eben dieser Nase reichte und demnach nicht nur ein wenig ungewöhnlich aussah. Aber was komische Hüte anging, war sie eigentlich in bester Gesellschaft. Harry ist in seiner Dienstuniform breitbeinig wie ein Cowboy durch die Kirche gewatschelt und hat seinem Bruder ab und zu unanständige Dinge ins Ohr geflüstert. Da bin ich mir sicher! Elton John sah aus wie immer.

Kates Brautkleid hat mich ein wenig enttäuscht. Ich hatte auf etwas Moderneres, Schickeres, Schlichteres, weniger Rüschiges mit weniger Schleppe und vor allem weniger Verschleierung gehofft. Irgendwie war es doch etwas altbacken und konservativ mit den langen Spitzenärmeln als Sichtschutz über dem eh nicht zu offenherzigen Dekollté und der völligen Verhüllung unter mehreren Quadratmetern Schleier. Die Frage, die wir uns dabei stellten: Hat sie unter dem Schleier geweint? Es sah zumindest ein wenig so aus. Wie auch immer: Das Kleid von Victoria von Schweden letztes Jahr gefällt mir eindeutig besser. Aber die Schweden sind modisch vielleicht eh etwas stilsicherer als die Briten, die nicht gerade für ihren guten Kleidergeschmack bekannt sind. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass ich selbst so gerne Kleider aus schwedischen Modehäusern trage... Zum Beispiel heute.

Die Trauung an sich war relativ unspektakulär. Ich finde es nach wie vor unmöglich, dass William keinen Ehering trägt. Wenigstens zur Zeremonie hätte Kate ihm ja eine Attrappe aufstecken können. Und überhaupt: Was ist das für eine bescheuerte Tradition, dass nur die Braut mit einem Ehering durchs Leben laufen muss?! Das ist mir völlig unverständlich. Für unseren Geschmack gab es außerdem ein bisschen zu wenig Lächeln und Körperkontakt zwischen den Brautleuten. Wenn man gerade getraut wurde, kann man ja ruhig mal ein bisschen Händchen halten. Das sollte selbst in der Kirche und selbst für den Adel und frisch eingeheirateten Adel erlaubt sein! Ebenso unspektakulär und enttäuschend waren die beiden Blitzküsse auf dem Balkon. "Die waren ja so kurz, dass man sie verpassen konnte, wenn man kurz nicht hingeguckt hat.", beschwerte sich meine Mutter zu Recht bei der telefonischen Hochzeitsauswertung nach 15 Uhr. Viel interessanter war in dem Moment das lockige Blumenstreumädchen, das sich die ganze Zeit die Ohren zugehalten hat.

Jetzt warte ich gespannt auf die Änderung der britischen Thronfolge und Harrys Hochzeit. Mal sehen, ob Pippa sich ihn krallt!

Dienstag, 26. April 2011

Bach und das schielende Opossum

 
Leipzig. Die touristischen Sehenswürdigkeiten hat man recht schnell alle durch, denn sie sind alle sehr, äh... zentral gelegen. Man könnte auch sagen, der hübsche alte Teil von Leipzig ist eher von überschaubarer Größe. Aber dafür auch wirklich hübsch. Am bekanntesten sind wohl die Nikolaikirche, die Thomaskirche, das Alte Rathaus und die zahlreichen sehr schicken Passagen, allen voran die Mädlerpassage, wo man sich in Auerbach's Keller für viel Geld einmal Faust und Mephisto ganz nahe fühlen kann. Außer auf Faust sind die Leipziger sehr stolz auf ihren Organisten und Komponisten Johann Sebastian Bach, der wirklich allgegenwärtig ist, und auf Heidi. Nicht die Alm-Heidi und auch nicht die Klum-Heidi, sondern das übergewichtige schielende Opossum Heidi, das im Leipziger Zoo zu Hause ist. 


An Museen hab ich ich an meinem einen Besuchstag nicht viele gesehen, aber die (kostenlosen) Ausstellungen im Zeitgeschichtlichen Forum sind sehr interessant und museumspädagogisch durchdacht - man sollte allerdings einen erhöhten Zeitaufwand und Begeisterungsausbrüche einplanen, wenn man es mit einem angehenden Geschichtslehrer besucht.


Auch in Leipzig gibt es eine etwas alternativ angehauchte Ecke (etwa wie Prenzlauer Berg vor 15 Jahren), nämlich die Karl-Liebknecht-Straße ("Karli"), wo es siffige Hinterhöfe, bemalte Wände, Second-Hand-Läden, eingesächselte Fotoautomaten und zahlreiche Bars und Restaurants gibt, in denen zu Studentenpreisen eigekehrt werden kann. Und noch etwas, das mir persönlich sehr entgegen kommt, gibt es in dieser Stadt en masse: Cafés und Bücherläden. Da die letzteren wie alle anderen Läden am Ostermontag leider geschlossen waren, musste man sich eher auf die Cafés konzentrieren. Abgesehen von den ganz prestigeträchtigen, wie dem Coffe-Baum oder dem Riquet, kann ich das etwas westlich vom eigentlichen Stadtkern, in der schönen Bosestraße, gelegene Luise empfehlen. Leckeres Essen und schönes Ambiente - nur den Unterschied zwischen laktosefreier Kuhmilch und Sojamilch (bäh!), den haben die meisten Leipziger Gastronomen anscheinend noch nicht begriffen. 


Verhungern muss man in Leipzig auch nicht, außer einer auffällig großen Menge an Sushi-Restaurants gibt es ein vielfältiges Angebot und besonders auf dem mittelalterlichen Markt namens Historische Leipziger Ostermesse einige typisch sächsische Spezialitäten, wie zum Beispiel die Kräbbelschn, Verzeihung... Kräppelchen. Und obwohl die Leipziger seltsam reden, sind sie - zumindest die im Service-Bereich und die wenigen, die ich persönlich kenne - extrem nett!
Alles in allem ist Leipzig wohl nicht für längere Urlaube zu empfehlen, aber ich glaube leben kann man dort schon ganz gut. Berlin ist ja auch gar nicht weit weg...




Schmiererei oder Urban Art?

 
Manchmal stand ich in Mailand vor einer komplett weißen Hauswand oder in einer trist-grauen Fußgänger-Unterführung und dachte: "Das würde in Berlin nicht passieren!" Zugegeben, ein Großteil der Graffiti in Berlin ist nicht besonders kunstvoll, aber irgendwie hab ich mich schon dran gewöhnt, und wenigstens ist es nicht langweilig. Gut, es ist natürlich auch Sachbeschädingung und die Stadt gibt Millionen für die Beseitigung aus... wobei ich mich manchmal frage, warum sie nicht lieber in die Beseitigung von Hundehaufen investiert, die stören mich persönlich nämlich mehr als Graffiti. Aber mal abgesehen von den  hingeschmierten Tags reichlich unbegabter Jugendlicher finden sich an den Hauswänden und Mauern Berlins auch jede Menge Bilder, die durchaus meiner Auffassung von Kunst entsprechen. Und tatsächlich sind inzwischen viele der einstmals polizeiflüchtigen Sprayer oder Street Artists in der Kunstszene anerkannt (wie zum Beispiel der Engländer Banksy) und ihre Werke werden teuer verkauft und sogar in Museen und Galerien ausgestellt. 



Vor kurzem sah ich in der Tagesschau einen Bericht über eine internationale Urban Art Ausstellung, der mich  wirklich faszinierte. Vor allem die Location ist sehr gut gewählt, es handelt sich um das stillgelegte Stahlwerk Völkinger Hütte. Ich muss gestehen, dass ich davor noch nie von diesem immerhin zum UNESCO Weltkulturerbe gehörenden Gebäude gehört hatte, aber wenn das Saarland nicht so weit weg wäre, würde ich sofort hinfahren. Schon allein das Stahlwerk selbst ist sehr eindrucksvoll, und die Ausstellung Urban Art - Graffiti 21  dauert noch bis zum 1. November. Falls irgendjemand von euch es hin schafft - ich bitte um Berichterstattung!


 


Montag, 25. April 2011

Roadtrip an die Nordsee

An sich bin ich ein großer Fan von Roadtrips. Allerdings sollten dabei ein paar Dinge erfüllt sein: Nette Mitfahrer, interessante Umgebung, spannendes Ziel. Nichts davon wurde bei meinem Roadtrip an die Nordsee letzte Woche erfüllt.

Man bei solchen Fahren auch was zu sehen bekommen, egal ob das nun in Australien tote Kängurus am Straßenrand und atemberaubende Landschaften rechts und links der Straße sind oder wenigstens ein paar spannende Pflanzen und süße Cafés in den Bergen von Teneriffa oder Gran Canaria. Man sollte etwas mehr oder weniger Ungewöhnliches erleben oder wenigstens, wie in den USA, alle paar Minuten bzw. Meilen die Möglichkeit haben, eine unfassbar fettige Mahlzeit in einem der vielen vielen Fastfoodrestaurants einzunehmen, die es in Europa gar nicht gibt.

Mein Roadtrip letzte Woche, der mich 70 km entlang der B73 vom Landkreis Stade in den Landkreis Cuxhaven führte, gehört nicht zu der interessanten Sorte Roadtrips. Es war eine langweilige Autofahrt einer schlechten Autofahrerin durch eine langweilige Gegend.

Schon die Planung dieser „Reise“ gestaltete sich nicht ganz einfach:

Telefonat mit meiner Mutter Anfang April 


„Mama, ich brauche am Mittwoch vor Ostern ein Auto.“ – „Das geht nicht, da sind wir in London.“ – „Aber doch nicht mit beiden Autos. Ihr fahrt doch nicht mit beiden Autos zum Flughafen.“ – „Nein, aber mein neues Auto kannst du nicht fahren.“ – „Wieso, ist der irgendwie anders als die vorherigen Tourans?“ – „Ja, der hat sechs Gänge.“ – „Aha.“ – „Und, das kannst du nicht!“ –„Dann lasst mir doch den Golf da, mit dem kann ich fahren.“ –„Mmmh.“ –„Ihr könnt doch einfach mit dem Touran zum Flughafen fahren und ich nehme den Golf.“ - „Kannst du nicht Gründonnerstag fahren?“ – „Nein, das Bewerbungsgespräch ist aber Mittwoch.“ – „Können die das nicht Donnerstag machen. Das würde besser passen.“ – „Wieso? Willst du mich dann da hinfahren? So wie zur mündlichen Abiprüfung?“ – „Ganz bestimmt nicht!“ – „Na dann kann ich ja auch am Mittwoch mit dem Golf fahren.“


Zu diesem Thema sollte man wissen, dass mir meine Eltern, seit ich vor acht Jahren einmal durch die praktische Fahrprüfung gefallen bin, mit einem Auto keine zwei Meter über den Weg trauen.

Gespräch mit meiner Mutter am Sonntag vor Ostern:

„Weißt du schon, wie du Mittwoch fährst?“ – „Nee, ich wollte mal auf Google Maps gucken.“ – „Ja, also fährst du B73?“ – „Weiß nicht. Eigentlich nicht. Die mag ich nicht so gern.“ – „Ja, wie willst du denn dann fahren?“ – „Ich dachte, ich fahr einfach immer am Deich lang. Dann muss ich doch irgendwann an der Elbmündung ankommen.“ – „Da ist aber Montag und Dienstag die Straße gesperrt.“ – „Aber ich fahr doch erst Mittwoch.“ – „Ach ja. Fahr doch Autobahn.“ – „Ich fahr doch nicht Autobahn! Das kann ich gar nicht.“ – „Das ist doch eine Dorfautobahn. Die fahr sogar ich.“ – „Aber kann ich nicht einfach in Buxtehude auf die B73 fahren.“ – „Nee, es ist besser, du fährst über die Autobahn auf die Bundestraße.“ – „Aber wie komme ich denn zur Autobahn?“ – „Ach Kind, den Weg nach Mittelnkirchen kennst du doch?“ – „Vielleicht? Ich kann ja nochmal bei Google Maps gucken…“ – „Oder du nimmst unser Navi?“ – „Oh ja, das ist eine gute Idee.“ – „Kannst du denn damit umgehen?“ – „Joa.“ – „Hast du das schon mal benutzt?“ – „Ja, in Amerika, oder?“ –  „Du musst schon wissen, wie man das bedient.“ – "Das kriege ich schon irgendwie hin." - „Ja, mein Gott, du musst es schon bedienen können.“ – „Ich habe schon mal ein Navi bedient. Das von John.“ – „Dann muss Papa es dir geben.“


Natürlich hat Papa es mir nicht gegeben. Ich habe mir auf Google Maps eine Route herausgesucht und diese sofort gefunden. Ich habe die Fahrt auf der Autobahnfahrt auf dem kürzesten Autobahnabschnitt der Welt überlebt und die 57 km lange Fahrt auf einer von Deutschlands gefährlichsten Bundesstraßen. Und zu Deutschlands langweiligsten Bundesstraßen zählt sie sicher auch.

Da entlang der Straße alle paar Kilometer ein neues nichtssagendes Geestdorf liegt, kann man noch nicht mal schnell fahren. Und zwischen den Dörfern ist auch nie so richtig klar, ob man nun eigentlich 70 oder 100 fahren darf. Oder eben doch nur 30, weil gerade irgendwas gebaut wird. Irgendwas wird ja immer gebaut. Tote oder lebendige Tiere habe ich nicht gesehen. Noch nicht mal ein Schaf! Außergewöhnliche Fastfoodrestaurants wie in den USA sind leider ebenso wenig zu finden. Immerhin erkannte ich in einem der nichtssagenden Dörfer die Pommesbude wieder, an der ich im Bundestagswahlkampf 2005 gemeinsam mit dem Landkreisjuso nach einer Wahlkampfveranstaltung in irgendeinem anderen Geestdorf gegessen habe. Auch die Unterhaltung auf den zehn im Raum Hamburg vorhandenen Rock- und Popradiosender mit dem besten aus drei bis vier Jahrzehnten bot wenig Ablenkung auf der Autofahrt. Denn alle zehn Sender spielten immer abwechselnd folgende zwei Lieder: „Grenade“ von Bruno Mars, von dem mir meine Mutter vor einigen Tagen erzählt hatte, dass es auf der Beerdigung eines Schülers gespielt wurde, der mit einem Trecker ums Leben gekommen ist, weswegen es für mich nun für immer ein Beerdigungslied sein wird, und „Bye bye Hollywood Hills“ von Sunrise Avenue, bei dem ich jedes Mal wieder feststelle, dass der finnische Sänger einen seltsamen Akzent im Englischen hat.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als meine einzige aus Berlin importierte CD zu hören. In Papas Auto ist die CD -Auswahl für Menschen unter 70 wenig ansprechend, seit mein Bruder nicht mehr zu Hause wohnt und die Autos meiner Eltern mit Musik versorgt. Meine CD war Nummer 5 einer „Best of Musical“-Kollektion, die ich neulich für sieben Pfund in London bei HMV gekauft habe. Und so hat mir der kleine Roadtrip neben etwas Fahrpraxis immerhin eines gebracht: gefestigte Textsicherheit bei „Tomorrow“ aus Annie und „Maybe this time“ aus Cabaret!

Donnerstag, 21. April 2011

Bericht aus Neukölln - Neu im Klischeebezirk

von unserer Neukölln-Korrespondentin Jana

Ich bin eingeladen worden, auf diesem Blog etwas über Neukölln zu schreiben. Da ich erst vor einem Monat hierhergezogen bin, eigne ich mich natürlich (noch) nicht für Expertenbeschreibungen und Insidertipps – aber es möchte doch so mancher aus meinem Bekanntenkreis wissen, wie es mir an meinem neuen Wohnort geht, und darauf kann ich natürlich Antwort geben. Und noch mehr: Ich gehe auch gern auf die ungestellten Fragen zu Neukölln ein…


„Gut!“ sage ich immer, wenn ich gefragt werde, wie es mir hier gefällt – das heißt: Ich fühle mich in meiner neuen WG wohl, habe es endlich geschafft, mein Zimmer fertig einzurichten, und ich freue mich immer wieder, mit dem Fahrrad zur Uni in Adlershof fahren zu können. Außerdem wohnen mehrere Freundinnen gleich um die Ecke meiner neuen Wohnung, und der Stadtteil war mir schon länger sympathisch.


Viele andere Menschen sind da eher skeptisch – verständlicherweise, denn Neukölln taucht vor allem dann in den Medien auf, wenn es um Drogenhandel (am Hermannplatz), Brandstiftung (in der Sonnenallee), Gewalt unter Jugendlichen (an der Rütli-Schule) oder mangelnde Integration (überall) geht. Positiv tritt der Stadtteil eigentlich nur in Erscheinung, wenn über den „Karneval der Kulturen“ und ähnliche Veranstaltungen berichtet wird – die wenigen Überreste der Multi-Kulti-Euphorie, die (ob nun wegen oder trotz der Ausführungen von Herrn Sarrazin) der Annahme weichen muss, dass es so einfach wohl doch nicht ist.

Aber wie sieht es im „sozialen Brennpunkt“ und „Einwandererviertel“ Neukölln nun aus? Meine Vermutung ist: Der eine oder andere, der mich nach meinem neuen Wohnort fragt, ist weniger interessiert an meiner Einbauküche oder den schönen neuen IKEA-Gardinen als an Informationen aus erster Hand über die Zustände zwischen Landwehrkanal und Flughafen Tempelhof.

Wer gern seine Klischees erfüllt sieht, kann sich freuen, wenn er mich besucht: Ja, es gibt hier relativ viele Frauen mit Kopftuch, Männer mit Schnurrbart und Jugendliche mit diesem speziellen Akzent. Und egal, an welcher Bushaltestelle in meiner Nähe man aussteigt, man fällt quasi direkt in eine Dönerbude und wird vom würzigen Duft der Fleischspieße und Fladenbrote begrüßt.

Weniger klischeehaft und noch schöner finde ich aber die Gegenwart anderer Kulturen an Orten, wo ich glaubte, mich auszukennen: Bei NETTO am S-Bahnhof Sonnenallee gibt es ein Regal voll mit Bulgur, gefüllten Weinblättern, Blätterteig und anderen Köstlichkeiten aus Anatolien & Co. Im O2-Shop erlebte ich zum ersten Mal, wie eine junge Frau (ohne Kopftuch übrigens) ohne Zögern den Berater auf Türkisch ansprach. Und vor dem einen oder anderen Geschäft stehe ich ziemlich ratlos, weil alle Beschriftungen auf Türkisch oder Arabisch sind. Mittlerweile empfinde ich es aber schon als normal, dass Kunden „Merhaba“ statt „Hallo“ sagen, zum Beispiel beim Bäcker gegenüber. Dort ist das Angebot übrigens wunderbar gemischt: Fladenbrot (auf Türkisch: „Pide“ – noch eine Vokabel gelernt), deutsches Körnerbrot, Baklava, allerlei Kuchen und meine neuen Lieblingssnacks, Börek und - noch leckerer (und kostet nur 1,50 EUR…) – Gözleme.



Manchmal vergesse ich, dass der Anteil der Menschen in Neukölln, die ihre Wurzeln in anderen Ländern haben, erst seit relativ kurzer Zeit stilprägend hoch ist. Doch das ziemlich deutsch daherkommende Rathaus oder auch das Stadtbad Neukölln, erbaut 1914 nach Vorbild einer antiken Badeanstalt, erinnern mich wieder daran. Außerdem wird der aufmerksame Besucher darauf hingewiesen, dass der Kern des Bezirks das ehemals eigenständige Örtchen Rixdorf ist. Oft habe ich bedauert, dass Pankow, das ich wegen seines Kleinstadt-Flairs so mag, nur allzu weit weg von meiner Uni ist. Aber jetzt nicht mehr, denn ich habe den Richardplatz kennengelernt, die Kopfsteinpflaster-Straßen des Böhmischen Dorfes (benannt nach – na..? – genau, Einwanderern!), die Schmiede, die Dorfkirche – was brauche ich mehr, wenn mir der Großstadtrummel zu viel wird? Und das Beste: Rixdorf liegt mitten drin in Neukölln. Außerdem kommt von hier die tolle Rixdorfer Fassbrause.

A propos Getränke: Der sogenannte Weserkiez, der ja angeblich total im Kommen und Aufblühen ist, liegt auch gleich hinter meinem Haus. Hier (und auch in Rixdorf) gibt es eine Reihe Kneipen und Cafés, worin die immer zahlreicher werdenden jungen Bewohner ihre unverbraucht-hippen Kaffee- und Nachtstunden verbringen können, bevor der Mainstream ankommt. Übrigens: Das Gelände der berüchtigten Rütli-Schule liegt an der Weserstraße, mitten im Kiez also. Wenn das kein Symbol für die Vielfalt Neuköllns ist!

Olaf Scholz, die Abschaffung der Studiengebühren und ich

Ich bin heute morgen aufgestanden und habe herausgefunden, dass ich hellsehen kann. In die Zukunft schauen. Ereignisse, die noch nicht geschehen sind, vorhersehen. Toll! So was passiert mir eher selten. Normalerweise stehe ich auf und stelle fest, dass es regnet oder dass mein Zimmer immer noch so unordentlich ist wie am Vorabend oder dass die U9 mal wieder unterbrochen ist, ohne dass die BVG das vorher angekündigt hätte.

Heute Morgen allerdings offenbarte mir die Zeitung, dass ich schon wusste, was die erste große Amtshandlung des neuen Hamburger Bürgermeisters sein würde, bevor er es selbst wusste. Das Buxtehuder Tageblatt titelt heute auf seiner Hamburgseite "Scholz plant Haushalt ohne Einschnitte - Studiengebühr wird wieder abgeschafft". Na, wer sagt's denn? Das wusste ich schon letzten Freitag.

Ich kann also entweder ins Wahrsagerbusiness einsteigen oder Beraterin für sozialdemokratische Bürgermeister werden. Wowi braucht doch sicher noch ein bisschen frisches Blut in seinem Wahlkampfteam.

Mittwoch, 20. April 2011

In der norddeutschen Provinz



Auch wenn meine langjährige Freundin Jana, mit der ich schon zusammen in Buxtehude zur Schule gegangen bin, vor einiger Zeit versuchte, meinen Ex-Freund, einem echten Berliner, davon zu überzeugen, dass Buxtehude keine Provinz sei, sondern eine aufstrebende Kleinstadt, bin ich trotz Heimatverbundenheit der Überzeugung: Natürlich ist Buxtehude Provinz.
Es gibt selbstverständlich noch viel schlimmere Provinz: alle Gegenden, die nicht in S-Bahn-Nähe einer deutschen Großstadt liegen, zum Beispiel. Und allen voran die Region, in der meine Großeltern gelebt haben - im niedersächsischen Niemandsland hinter Uelzen, direkt an der früheren innerdeutschen Grenze. Das liegt wirklich der Hund begraben. In Buxtehude bellt er bloß mit dem Schwanz. Das ist natürlich besser. Provinz sind die mittelalterliche Stadt und der umliegende Landkreis trotzdem.

Macht ja nix. Das Leben in der Provinz hat wie alles seine guten Seiten: Die Ruhe - wenn man mal von den inzwischen auch hier weit verbreiteten gurrenden Tauben, dem Flugverkehr von und nach Fuhlsbüttel über der Terrasse und der Beschallung durch die Musikanlagen der vorbeifahrende Dorfjugend mit ihren tiefer gelegten Autos auf der Hauptstraße absieht. Die gute Landluft! Die wunderschönen blühenden Obstplantagen. Der Deich mit den Schafen. Und dem Jugend- und Frauengefängnis gleich nebenan.

Bei all der Idylle muss man dann eben damit leben, dass die Leute arrogant und schlecht erzogen sind. Warum die Berliner immer als unfreundlich und unhöflich betitelt werden, ist mir völlig unklar. Wenn ich das Haus verlasse und die Nachbarskinder mich nicht zurückgrüßen, obwohl sie mir mit ihrem komischen Arschwackelskateboard fast auf den Füßen stehen, als ich ins Auto einsteige, und das alte Ehepaar sich auf dem Wochenmarkt am Käsestand gnadenlos vordrängelt und dann noch völlig unverschämt reagiert, als ich sie darauf hinweise, dass wir schon seit zehn Minuten in der Schlange stehen. "Ach, das passiert jede Woche", sagt meine Mutter, "das machen die älteren Paare hier immer so!" Drei Meilen vor Hamburg, willkommen im Land der Unverschämtheit, oder wie?
Was soll man dazu noch sagen?! In Berlin grüßen mich in meinem Mietshaus mit mindestens 32 Mietsparteien alle zurück, wenn ich sie grüße, selbst wenn sie nur Besucher sind. Und das mit dem Vordrängeln würde sich wohl auch keiner trauen, weil er mit entsprechenden nicht all freundlich ausfallenden Konsequenzen zu rechnen hätte, nicht nur im Wedding.

Aber es hat sicher seinen Grund, dass die Menschen hier nicht vor guter Laune strotzen. Das Leben hier ist gefährlich und die Sterblichkeit hoch. Wessen Gesundheit den zwei Atomkraftwerken auf beiden Elbseiten und den Spritzmitteln der Obstbauern trotzt, der ist vor allem als Jugendlicher immer noch den Gefahren der kurvigen Landstraßen, dem Bewässerungssystem auf den Obstplantagen und den wild herumfahrenden Traktoren ausgesetzt. Da kann es immer mal vorkommen, dass man einen Partyabend nicht überlebt. Schockierenderweise muss ich auch hier sagen: Wenn ich in Berlin besoffen umfalle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass mich jemand findet, bevor ich erfroren bin, zum Glück wesentlich höher. Wirklich: Ich finde es immer wieder schlimm, was hier passiert. Ich ziehe meine Kinder später lieber nicht auf dem Land groß. Viel zu gefährlich!


Ist ja klar, dass man für eine so wunderbare Gegend auch einiges bezahlen muss. Nachdem mein Freund und ich uns mangels Alternativen am Samstagabend ins Cinestar in Stade aufgemacht hatten, erlitt mein Freund einen großen Schock. Das Kino ist quasi das einzige im Landkreis. Das winzig kleine City-Kino in Buxtehude hat, seit ich Abi gemacht habe, mindestens einmal geschlossen und wiedereröffnet. Aktuelle Filme werden dort eigentlich nie gezeigt. In Stade hatten wir immerhin die Möglichkeit, „Ohne Limit“ zu gucken. In Berlin wäre der Film nicht meine erste Wahl gewesen. Hier war es die Alternative zum öffentlich-rechtlichen Fernsehabend mit meinen Eltern. Im Kino sagte mein Freund großzügig: „Ich lade dich ein!“ Und ich sagte: „Das wirst du bereuen!“ Im Cinestar Stade gab es nie einen Schüler- oder Studentenrabatt und es wird ihn auch niemals geben. Wieso auch? Gibt’s in Stade Studenten? Nachdem mein Freund fassungslos 18 Euro bar (Kartenzahlung gibt’s nicht) für zwei Kinokarten für einen Film ohne Überlänge hingelegt hatte, wurde er ganz bleich und musste am Snack- und Getränkestand erschüttert feststellen, dass unser Kleingeld nur noch für ein Getränk reichte, weil wir uns den Super-Deal von Bier und Nachos einfach nicht mehr leisten konnten. Auch das anschließende „Lass uns doch noch was trinken gehen“ in der Stader Altstadt musste ausfallen. Nicht weil wir pleite waren – die Automaten der Sparkasse Stade-Altes Land hätten mir noch Geld geben können – sondern wegen „Tote Hose“ in der Innenstadt. Die meisten Kneipen hatten um halb zwölf schon zu. Die einzigen Menschen, die uns über den Weg liefen, waren ein Junggesellenabschied mit einem uralten Bräutigam, dem ich für 50 Cent ein Kondom abkaufen musste (war ja sonst niemand mehr wach) und ein betrunkenes Paar mittleren Alters, die uns fragten „Wo seid ihr denn wech?“ – womit mein Freund immerhin noch in den Genuss einer wunderbaren Lektion Norddeutsch kam, bevor wir uns auf die 20km lange Heimfahrt entlang des Elbdeichs begaben - ein landschaftlich schöne Strecke, versteht sich!

Sonntag, 17. April 2011

Es grünt und blüht im Prenzlauer Berg

 
In vielen anderen europäischen Großstädten weiß ich manchmal nicht so genau, was mir fehlt, bis ich merke: Berlin ist einfach grüner. Also nicht politisch, sondern botanisch gesehen. Wenn man zum Beispiel auf der Panorama-Terrasse am Potsdamer Platz steht, sieht Berlin eher nach Park als nach Großstadt aus. Und wenn man in entlegenere Teile Berlins will, etwa Heiligensee, fährt man mit der Bahn erstmal 20 Minuten durch den Wald. Auch die vielen Alleen tragen zu einem schöneren und weniger großstadt-grauen Stadtbild bei. Jetzt im Frühling ist es besonders hübsch: überall blüht alles und alle Prenzlauer Berger zieht es nach draußen, in Cafés, auf Spielplätze (den Kinderaspekt hat Sara ja schon erörtert) oder in den Mauerpark.


Heute musste ich eigentlich nur schnell durch denselbigen durchlaufen, um nach Hause zu kommen, aber daran war gar nicht zu denken. Inzwischen ist nicht mehr nur der Flohmarkt von Menschenmassen überfüllt, sondern auch alle Wiesen, der Basketball-Court, alle Wege und, natürlich, das Rondell mit der Freiluft-Karaoke. Ich finde es persönlich ja ganz großartig, dass sich so viele so unterschiedliche Menschen in diesem Park treffen, um einfach das zu tun, was sie gut können (Frisbee, Einradfahren, Kiffen, Jonglieren, ein Instrument spielen, Fußball, Klaviere bemalen...) - nur eben in Gesellschaft anderer. Natürlich ist es dadurch auch ein bisschen Sehen-und-gesehen-werden, aber immer noch mit einer relativ alternativen Atmosphäre. Aber seit heute kann ich auch diejenigen verstehen, die den Trend im Mauerpark kritisch betrachten und für eine touristische Massenveranstaltung halten. Ich glaube ich werde auch das nächste Mal unter der Woche und abends in den Mauerpark, da ist es noch ein bisschen gemütlicher. Und man kann in den Sonnenuntergang hineinschaukeln...
 
 
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Hamburg, meine Perle


Am Freitag hat es mich bewerbungsbedingt zum ersten Mal in eine Stadt verschlagen, die ich sehr gut kenne. Nein, das ist ehrlich gesagt gelogen: Ich kenne nur den Weg vom Hauptbahnhof zum Rathaus, zur Alster und zu den wichtigen Kunstmuseen. Na ja, und auf dem Kiez bin ich bislang auch noch nie verloren gegangen.
Aber was ich damit eigentlich sagen wollte, ist, dass ich mit Hamburg eine Menge verbinde. In gewisser Weise ist Hamburg für mich genau das, was Hannover für mich nie war –meine Landeshauptstadt. Obwohl man einen in Hamburg geklauten Airbag bei der Polizei in meinem Heimatort nicht melden kann, weil die niedersächsische und die Hamburger Polizei nicht miteinander kooperieren. Egal: Hamburg bedeutet für mich Heimat.


Trotzdem habe ich mich auf dem von Google-Maps mit zwölf Minuten berechneten Fußweg zum Assessment Center eines großen Versorgungsunternehmens so sehr verlaufen, dass ich irgendwann beim Großmarkt ankam und nicht mehr so ganz überpünktlich war wie ursprünglich geplant. Also kam ich leicht verspätet in einen Raum voller perlensteckerohrringtragender Frauen. Wirklich: Die Praktikantin der Personalabteilung, die Personalrätin, und fünf der sechs weiteren Bewerberinnen trugen alle Perlenohrringe. Stand das in der Einladung? Hatte ich mich sofort disqualifiziert mit meinen selbstgebastelten Ohrringen? War das in Hamburg die einzig zulässige Ohrschmuckversion?


Nein, es wurde noch schlimmer. Nicht nur die Ohrringauswahl schien mich zu unterscheiden, auch die Ortskenntnis fehlte mir. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir vorher noch den Wikipediaeintrag zur Freien und Hansestadt durchgelesen. Oder wenigstens ein bisschen N3-Fernsehen geguckt. Aber wer hätte das ahnen können? Ich dachte, es ginge um meine Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Bereichen PR und Unternehmenskommunikation…

Der erste Aufgabenteil war ein Wissenstest. Schon beim Begriff wurde mir Angst und Bange. Nach Fragen zu aktuellen Ereignissen wie dem Erdbeben in Japan, der Diskussion um E10 und den andauernden Streiks der Lokführer war mein Hamburgwissen gefragt. Wie mein Genosse der neue Hamburger Bürgermeister heißt, wusste ich gerade noch. Was seine erste bedeutende Amtshandlung war, nicht! Meine Eltern, die immerhin hier in der Region wohnen, übrigens auch nicht. Weiß es von euch jemand?
Die beiden größten Hamburger Tageszeitungen kenne ich auch. Aber wie heißen die Senatoren in der neuen Regierung? Was weiß ich?! Zwei Sehenswürdigkeiten in der Stadt? Alster? Oder? Nee, vielleicht lieber Hafen! Hafen ist gut. Und sonst? Reeperbahn? Gilt das als Sehenswürdigkeit? Find ich schon. Na ja, gut, falls es ihnen nicht gefällt, schreibe ich halt noch Rathaus hin. Aber das ist irgendwie langweilig. Ein Rathaus hat ja nun wirklich jede Stadt. Zwei wichtige Daten in der Geschichte der Stadt? Wirklich keine Ahnung! Bei Berlin wäre das alles wesentlich einfacher! Hätten sie nicht nach zwei Songs von Lotto King Karl, zwei Kneipen auf dem Kiez oder zwei guten Shops auf der Spitaler Straße fragen könne.


Also tat ich das, was ich schon zu Schulzeiten in Bioklausuren immer gemacht habe: Raten und Geschichten ausdenken. Einfach irgendwas schreiben. Könnte ja hinhauen. Da ich den Biogrundkurs in der 12. und 13. Klasse nur belegen musste, weil man nun mal vier Semester eines naturwissenschaftlichen Faches ins Abitur einbringen musste, habe ich die zwei Stunden am Donnerstagmorgen gemeinsam mit zehn anderen biologisch völlig desinteressierten Schülern immer damit verbracht, unseren Lehrer vom Unterricht abzulenken. Er mochte seine Kollegen nicht, den Schulleiter nicht und die Schulpolitik nicht. Insofern war es ziemlich einfach ihn auf andere Themen als Photosynthese oder Ökologie oder was auch immer wir damals eigentlich behandeln sollten, zu bringen. In den Klausuren hatte ich dann keine Ahnung von nichts und schrieb einfach davon, wie man Äpfel züchtete. Ich arbeitete damals als Babysitter auf einem Altländer Obsthof und die Obstbäuerin, auf deren Kinder ich aufpasste, hatte mir ein paar Tage vorher etwas zur Apfelzucht erklärt. Das hatte zwar nichts mit dem eigentlich Thema der Bioklausur zu tun, brachte mir dennoch einige Kreativitäts- oder Mitleids- oder Fleißpunkte. Und irgendwie habe ich die auch dieses Mal wieder bekommen.

 

Als erste Amtshandlung von Olaf Scholz riet ich einfach mal die Abschaffung der Studiengebühren. Hätte ja sein können, hätte doch zu sozialdemokratischer Politik gepasst. Historisches Ereignis in Hamburg? Mmmmmh. Ich war 1991 zum ersten Tag der Deutschen Einheit mit meinen Eltern mal bei den Feierlichkeiten in der Hamburger Innenstadt. Daran konnte ich mich gerade so erinnern. Mein Bruder und ich hatten haufenweise Aufkleber aller Hamburger Radiosender mitgenommen und unsere Spielzeugkisten damit beklebt. Sicher kein weltbewegender Tag für Hamburg. Aber immerhin war ich dabei. Dafür gab’s sicher einen Gnadenpunkt. Denn morgen darf ich zum Recall!

Samstag, 16. April 2011

Reisetipp: Le Cinque Terre

 
Ein wunderschönes Stückchen Italien, das ich beim letzten Aufenthalt zum ersten Mal gesehen habe, sind die Cinque Terre, fünf kleine Ortschaften direkt an der italienischen Riviera. Das Tolle daran sind  aber nicht unbedingt die Dörfer selbst, die zwar sehr malerisch sind, aber ansonsten nur ein paar Restaurants mit Touristen-Menüs und Souvenir-Shops und Eisdielen zu bieten haben, sondern das Drumherum. Oder Dazwischen, oder Drüber und Drunter. Was ich sagen will: die Landschaft. Die Küste ist in diesem Gebiet wunderschön und unwegsam, und ein Naturschutzgebiet noch dazu. Klippen und Kieselstrände, Agaven, Bambuswälder, Pinien und Felsen... einfach schöne und abwechlungsreiche Natur. Die einzelnen Orte sind durch Wanderwege verbunden – jeweils einen mit Meeresblick und einen mit höherer Schwierigkeitsstufe mehr im Inland.
Da uns gesagt wurde, der Weg am Meer entlang sei gesperrt, haben wir versucht von Vernazza nach Corniglia den Alternativweg zu nehmen, aber auf Grund der mangelhaften Beschilderung schlichtweg nicht gefunden und sind dann doch auf dem angeblich erdrutschgefährdeten normalen Weg gelandet. Da der zwar schön, aber eher ein Spazier- als Wanderweg, also einfach ein bisschen zu langweilig war, sind wir einem wirklich fragwürdigen mit Edding gekritzelten Schild mit Aufschrift „Beach“ gefolgt. Der Trampelpfad bzw. die Rutschbahn, die sich dahinter auftat, führte dann ohne  viele Umwege oder Serpentinen, also mit ziemlich heftigem Gefälle tatsächlich die etwa 300 Höhenmeter hinab zum Wasser. Meine Empfehlung: Falls ihr einem dieser Schilder folgt, macht das nur, wenn ihr keine Höhenangst, Lust auf ein bisschen Abenteuer und festes Schuhwerk habt!! Bis auf letzteres war bei mir alles vorhanden, doch so praktisch meine Chucks sonst auch sind, die Sohlen sind wirklich ganz schön glatt... Auf jeden Fall entschädigen die Aussicht, das türkisblaue Meer und die Freude, wenn man tatsächlich wieder auf den „echten“ Weg zurückfindet, für alles!


Bisher hab ich nur drei der fünf terre gesehen und muss auch noch den Gebirgsweg ausprobieren, fühle mich aber trotzdem qualifiziert zu sagen: Wenn ihr mal in Morditalien unterwegs seid, hinfahren! Es lohnt sich!



Mittwoch, 13. April 2011

Von Pelzmänteln und Latte Matschato


Wenn man häufiger nach Kaffeesahne als nach Sojamilch und nach einem „Pott“ Kaffee als nach Karamellsirup gefragt wird, weiß man, dass man nicht im Prenzlauer Berg sein kann. Wenn dann noch um 12 Uhr mittags Champagner geschlürft wird, ist klar: wir befinden uns in Charlottenburg.
Dorthin verschlägt es mich durch einen meiner Nebenjobs gerade einmal die Woche, genauer gesagt in das Designer-Möbel-Kaufhaus Stilwerk. Dort versorge ich die meist älteren und immer finanziell gut gepolsterten Kunden mit Kaffee und Kuchen. Dass von diesen die wenigsten den korrekten Plural von Espresso bilden oder Latte Macchiato richtig aussprechen können, stört mich eigentlich nicht. Aber ich finde die ganzen Pelzmäntel und -accessoires ein bisschen eklig. Zum Teil haben die Damen einen kompletten Fuchs – inklusive Kopf und Pfoten – um den Hals baumeln.... Wenn sie dann noch das Schoßhündchen untern Arm klemmen, komme ich manchmal ganz durcheinander. Hoffentlich nicht die Frauchen.
Vorteilhaft ist allerdings, dass die Kunden nach dem Kauf eines 7000 €-Steins (ja, so ein Stein ist bestimmt ganz wahnsinnig praktisch – zum Messerschleifen oder zum Beschweren von überdimensionalen Briefen) meist nicht knausrig mit dem Trinkgeld sind. Kaum einer jedoch ist vertraut mit dem Coffee-Shop-Selbstbedienungs-Prinzip. Aber gut, man war eben noch nie in einem Starbucks und mit dem Schoßhund im einen und dem riesigen Stein im anderen Arm trägt man auch schwerlich sein Champagnerglas zum Tisch.
In einer so exklusiven Umgebung darf man sogar Mariella Ahrens und Barbara Schöneberger zu seinen Kunden zählen – wobei ich zugeben muss, dass ich letztere ohne Make-Up und im Freizeit-Outfit überhaupt nicht erkannt habe. Erst als sie mit einem Kollegen über ihre neuesten Projekte quatschte, merkte ich, für wessen Baby ich da grade Grimassen schnitt.
Der Fairness halber muss ich noch erwähnen, dass es durchaus eine Gruppe gibt, die den Altersdurchschnitt nach unten zieht: extrem gut gekleidete junge kreative Designer, die sich entweder Ideen holen oder mit potentiellen Kunden treffen. Aber jedes Mal, wenn ein solch gut aussehender und noch besser riechender Kunde bei mir im Café sitzt und ich schon hundertprozentig davon überzeugt bin, dass er ganz schön mit mir flirtet, kommt ein ebenso netter Herr und knutscht ihn ab. Jedes Mal.



Der akademische Fehlerteufel

Dass mit Bewerbern von Seiten der Unternehmen nicht immer so umgegangen wird, wie man sich das in Zeiten des viel beschrienen Fachkräftemangels in Deutschland erwartet, ist mir schon lange klar. Die Auswüchse des schlechten Service am Bewerber kriege nicht nur ich und nicht erst in letzter Zeit zu spüren. Meine Bewerbungsmappe, die ich im Jahr 2000 für ein Betriebspraktikum an die Hamburger Kunsthalle geschickt habe, habe ich bis heute nicht zurückbekommen. Und dabei war das mitgeschickte Foto wirklich schön und teuer.

An völlig überforderte zentrale Personalabteilungen deutscher Großkonzerne habe ich mich inzwischen ebenso gewöhnt wie an die Tatsache, dass einige Firmen den Bereich des Online-Recruitung und HR gleich ganz outsourcen, sodass man überhaupt nicht mehr an die Firma rankommt. Und dass man inzwischen automatisierte Standardemails ohne Signatur oder Ansprechpartner und manchmal sogar ohne Betreff (so geschehen beim mir nun noch verhassteren FitnessFirst) als Absage bekommt, damit habe ich mich langsam auch abgefunden.

Dass in der akademischen Welt der Universitäten auch nicht immer alles so läuft, wie es sein sollte, wissen wir alle spätestens seit der Betrugsarbeit des Dr. A.D. Minister A.D. MdB A.D. Karl-Theodor Sylvester Nikolaus Osterhase Weihnachtsmann von und zu Guttenberg. Auch die „heiße“ Powerbraut der FDP, Silvana Koch-Mehrin soll ihre Doktorarbeit nicht vollständig selbst geschrieben haben.

Na ja, was kann man auch erwarten, wenn mir eine der größten deutschen Universitäten ein Absageschreiben für ein Volontariat in der Pressestelle zuschickt, in dem mir auf einen Blick neun (ja: 9!) Rechtschreib- bzw. Grammatikfehler entgegenspringen? Oder ist das nur EIN Fehler, weil es als Folgefehler gilt? Das wissen die Lehrer unter den Lesern besser als ich.

Wie auch immer: Es kommt dabei die Frage auf, ob
a)      es gar keine Absage ist, sondern ein Eignungstest, mit dem meine orthografischen Fähigkeiten ermittelt werden sollen und ich nun sofort dort anrufen sollte, um zu zeigen, dass ich den Test bestanden habe und in die 2. Runde darf.
b)      ich einfach überqualifiziert bin.
c)      ich der akademischen / wissenschaftlichen Welt nun wirklich endgültig den Rücken zukehren sollte und meine Fähigkeiten der freien Wirtschaft zur Verfügung stellen.
d)      ich eine Initiativbewerbung als Lektorin der Universität losschicken sollte.
e)      die Uni unbedingt hier auf dem Blog einen eigenen Beitrag haben wollte.

Sonntag, 10. April 2011

Marcus im Schokoladenland

Wo einen der Wochenendspaziergang in Mitte an einem frühligshaften Samstag so überall hinführen kann. Gestern hatte ich den Eindruck, ich sei mit einem Kleinkind unterwegs...
Um die Sonne zu genießen und dabei ein bisschen was von der Stadt zu sehen, wo wir sonst eher selten sind, sind mein Freund und ich gestern mal mit der S-Bahn bis Friedrichstraße gefahren und dort   Richtung Gendarmenmarkt runtergelaufen, wo er noch nie gewesen war.


Unterwegs kamen wir beim Birkenstockladen vorbei, bei dem ich feststellen musste, dass er bei Weitem nicht so eine gute Auswahl hat wie der Birkenstockversandhandel, bei dem meine gesamte Familie schon seit Jahren bestellt (noch bevor es Internet gab...). Beim Bree-Laden an der Galerie Lafayette habe ich einen Räumungsverkauf entdeckt, was mich persönlich wenig wundert, da dieser Bree-Laden (und ich kenne mich da aus) mit Abstand die pissigsten, unfreundlichsten, arrogantesten Verkäuferinnen in ganz Deutschland (ok, ich spreche für Berlin, Hamburg und Frankfurt) hat. Erstaunlicherweise habe ich den Laden verlassen, ohne mein Konto zu belasten, weil wohl vorher schon alle stilbewussten Berlinerinnen die schönen Taschen weggekauft hatten. Too bad. Gut für meine Finanzen!


Kaum aus dem Geschäft entdeckte mein Freund eine Ecke weiter den Ritter Sport-Laden, der ihn plötzlich viel mehr interessierte als der Gendarmenmarkt mit seinen zwei Dömen und dem Konzerthaus. Ich fühlte mich wie eine Mutter mit einem Kind am Rockzipfel. "Gehen wir da rein? Oh bitte bitte bitte! Ich will da unbedingt hin! Das ist ja toll! Kennst du den? Können wir da Kaffee trinken? Oh, guck mal die Torten! Ich will hier eine Torte essen! Guck mal! Guck maaaaaaaaaaaaaaaaaaal! Wollen wir hier Ostergeschenke kaufen? Oh toll, Olympia!"


Natürlich sind wir reingegangen. Auch wenn ich meinen Kaffee viel lieber draußen in der Sonnen getrunken hätte. Drinnen in der BUNTEN SCHOKOWELT gibt es auf drei Etagen so einiges zu entdecken. Im Erdgeschoss kann man sich innerhalb einer halben Stunde für 3,50 Euro 100g seine eigene Ritter Sport-Sorte herstellen lassen. Das ist  für Haselnussallergiker wie mich eigentlich eine schöne Idee - eine Rum-Traube-Nuss ohne Nüsse fände ich ziemlich gut. Allerdings sind 3,50 Euro dafür doch ein bisschen viel. Da sind die exotischen Zutaten wie Marshmallows (sehr anglo-amerikanisch, wie meine australische Lieblingssorte Cadbury Rocky Road) oder Gummibärchen schon interessanter und exklusiver. Weil es Marcus allerdings eher in die Tortenecke zog, kann ich nicht sagen, wie gut und lecker das Ergebnis einer solchen Eigenkreation ist. Aber das ist durchaus eine schöne Geschenkidee. Sofern man weiß, welche Sorten und Zutaten der zu Beschenkende gern mag...


Im Erdgeschoss gab es außerdem einen großen Shop, in dem man neben jeglichen Sorten Ritter Sport natürlich verschiedene Fanartikel kaufen konnte. Wir haben tatsächlich je eine bunte Ritter Sport-Tasse als Ostergeschenk für unsere Geschwister gekauft (da die den Blog eh beide nicht lesen, kann ich das hier ja problemlos schreiben).
Im Untergeschoss, das wir nicht betreten durften, fanden, wenn ich das richtig erkannt habe, so was wie schokoladenpädagogische Workshops statt, bei denen Kinder unter Aufsicht von Pädagogen ordentlich rumpantschen durften. Ein großartiges Ziel für Kindergeburtstage, finde ich.


Oben gab es das Café, in dem sich mein Freund dann mit glänzenden Augen einen Milchshake und ein Stück Torte gegönnt hat, während ich eine sehr leckere heiße Schokolade der Sorte Jogurt getrunken habe, die absurderweise wirklich wie Ritter Sport Jogurt schmeckte. Mit 3,40 Euro war sie  auch nicht völlig überteuert! Und sogar unschokoladige Gerichte fanden sich auf der Speisekarte,
Außerdem konnte man in einer kleinen Ausstellungsecke alte Werbespots der letzten sechzig Jahre aus aller Welt anschauen und andere spannenden Dinge zum Thema Ritter Sport lernen. Zum Beispiel, dass die Schokolade von einer Frau erfunden wurde.

Schön, schön! Beim nächsten Touristenbesuch baue ich den Laden auf jeden Fall in meine Route zum Gendarmenmarkt ein und trinke eine heiße Schokolade der Geschmacksrichtung Marzipan.

Samstag, 9. April 2011

Dinge, die Italiener einfach besser können


… sind zum Beispiel wohlklingend streiten, spontan sein, Pizza, auf einer Vespa sein Leben riskieren, schauspielerische Höchstleistungen auf dem Fußballfeld, Gastfreundschaft und, natürlich, gelato.
Jedes Mal, wenn ich in Italien bin, esse ich mindestens ein Eis pro Tag und wenn ich wieder zurück nach Deutschland komme, habe ich gar keine Lust mehr auf das, was hier verkauft wird. Natürlich gibt es auch in Berlin großartiges Eis zu kaufen, von Ben & Jerry’s über sündhaft teure Eiskugeln bei den „italienischen“ Eisdielen in Einkaufscentern bis zu den ein, zwei leckeren Sorten beim Eismann um die Ecke. Trotzdem schmeckt es in Italien generell besser. Natürlich ist es einfacher, gutes Zitroneneis zu machen, wenn man den Baum direkt vor dem Haus stehen hat. Was ich auch toll finde, ist, dass viele italienische Eisdielen ihr Sortiment danach ausrichten, wann sie welche Zutaten frisch bekommen können. Es gibt dann eben Melonen- oder Pfirsicheis einfach nur im Sommer, weil man sonst harte unreife Früchte oder künstliche Aromen für die Produktion nehmen muss.
Das Wichtigste aber, was die Italiener den meisten Deutschen Eisproduzenten voraus haben, ist jedoch: Kreativität. Meine Lieblingssorte, weiße Schokolade, gehört ja schon zum Standardprogramm, aber es gibt ständig tolle neue Sorten, die man ausprobieren kann. Im Falle der beliebten Bologneser Gelateria Gianni tragen diese auch noch die Namen von Liedtiteln, Filmen oder Teilen von Dantes Divina Commedia - kreativer geht’s nicht. Mein Favorit ist die Sorte „come sono io“ - Weißes Schokoladeneis mit Nutellastreifen und Mini-Windbeuteln. Wie genial ist das denn bitte?!



In einer anderen Eisdiele namens Chocolate, ebenfalls in Bologna, wird das Eis besonders kunstvoll serviert: jeder Kunde kriegt eine wunderschöne Rosenskulptur auf seine Waffel geschmiert, und das innerhalb von Sekunden. Wer will da noch eine langweilige deutsche Kugel?!


Freitag, 8. April 2011

"If you're feeling sinister go off and see a minister"

 
Nach erfolgreich überstandenen Vorstellungsgesprächen stand bei Katha und mir am Mittwochabend nach langer Vorfreude das Konzert von Belle & Sebastian an. Das wurde mal wieder mehr oder weniger spontan vom Astra in die Columbiahalle verlegt. Ich weiß gar nicht, wann diese Orts- und Datumswechsel eigentlich immer stattfinden. Ich kriege das immer kaum mit. Warum passiert das eigentlich immer? Bei Lily Allen vor zwei Jahren wurden sowohl Tag als auch Veranstaltungsort nach dem Kauf der Karte plötzlich geändert. Das Konzert von Clueso in Madgeburg, zu dem mein Bruder eigentlich hingehen wollte, wurde gleich bis in die halbe Unendlichkeit verlegt. Da haben wir noch mal Glück gehabt. Und da Katha mich glücklicherweise noch rechtzeitig per SMS informiert hatte, bin ich dann nach Tempelhof gefahren statt in den Friedrichshain. Schlimm war der Wechsel eigentlich gar nicht, denn auf der Empore in der Columbiahalle konnten wir kleinen Menschen dann wenigstens gut sehen statt ständig die Kopf recken und hochhüpfen zu müssen.  

Die Vorband Those Dancing Days, eine schwedische Indie-Mädchen-Band, war ziemlich cool. Irgendwie waren die fünf alle sehr süß und hochmotiviert. Die Schlagzeugerin war, nicht dass ich das irgendwie bewerten könnte, echt gut. Und die Keyboarderin ist die ganze Zeit aufgedreht hinter ihrem Keyboard hin- und hergesprungen und hat die Tasten trotzdem noch getroffen. Respekt!

Um 22 Uhr (viel zu spät für berufstätige müde alte Menschen wie mich) fingen dann Belle & Sebastian an, bei denen beeindruckende 13 Musiker auf der Bühne standen, die alle mindestens drei Instrumente spielen konnten. Die Musik war einfach schön. Dass tatsächlich vier Streicher mit dabei waren, machte es noch schöner und rechtfertigt in meinen Augen definitiv den Preis von fast 30 Euro pro Karte. Schließlich bezahlt man quasi ein halbes Orchester.
Vollends glücklich war ich, als sie eines ihrer Lieder vom Juno Soundtrack gespielt haben, den ich 2008 in Australien so gut wie non-stop gehört habe und auch nach über drei Jahren immer noch sehr häufig anmache. Auch wenn mein bester Freund der Meinung ist, ich würde niemals irgendetwas Anderes hören als Lily Allen.
Und so haben wir das Konzert um 23.30 Uhr aus logistischen Gründen (Schuld sind die BVG, die Öffnungszeiten des Grimm-Zentrums und meine persönliche Fehlplanung) schon von vor offiziellem Ende müde und zufrieden verlassen.
Jetzt wünsche ich mir alle Belle & Sebastian Alben zum Geburtstag!


Katha:
Ich kann Sara nur zustimmen und war ebenfalls sehr begeistert - vor allem von der Atmosphäre. Das Kozert war nicht rockig genug um die Menge zum Pogen zu veranlassen, aber auch nicht schnulzig genug um nur kuschelnde Pärchen anzuziehen. So herrschte im Publikum allgemeines fröhliches Mitwackeln und ein Dauergrinsen, weil die Lieder sooo schön waren und der Frontmann Stuart Murdoch sooo skurril und lustig.
Und es ist schön zu sehen, was dabei herauskommt, wenn man nicht nur extrem stylishe Menschen mit Modelmaßen in einer Indie-Pop-Band auf der Bühne stehen lässt, sondern vor allem solche, die ihre zahlreichen Istrumente verdammt gut beherrschen: richtig schöne Musik.