Freitag, 18. März 2011

Fastenzeit

Es ist wieder soweit. Seit letztem Mittwoch, Aschermittwoch, hat die Fastenzeit begonnen. Bis Ostern soll sechs Wochen oder eben vierzig Tage Verzicht geübt werden. Worin ist egal. Hauptsache 40 Tage ohne. Sex, Fernsehen, Facebook, Fleisch, Schokolade... Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das kann sich jeder aussuchen. Oder eben nicht. Denn Fasten ist ja keine Pflicht.

Ich bin weder religiös noch habe ich den Eindruck, ich müsse unbedingt auf etwas verzichten. Wobei vierzig Tage ohne Facebook schon ein spannendes Experiment wären. Aber das wäre mir schon wieder zu anstrenged. Vielleicht hat jemand anders Lust und möchte von seinen Erfahrungen bloggen?

Meine Kollegin erzählte mir stolz, ihr Freund und sie würden nun zwei fleischfreie Tage die Woche einlegen. Das wiederrum wäre für mich als langjährige Vegetarierin kein besonders hartes Unterfangen. Ich komme schon seit Jahren auf 52 fleischfreie Wochen im Jahr...

Seit letztem Jahr nähere ich mich dem Phänomen Fasten ganz zaghaft an. Letztes Jahr nahm ich mir zweieinhalb alkoholfreie Wochen vor. Das habe ich auch problemlos überstanden, wobei ich mich immer noch gut erinnere, dass es beim Ausgehen irgendwie noch weniger Spaß macht, Geld für alkoholfreie und trotzdem überteuerte Cocktails oder Biere auszugeben.

Mal sehen, wie viele Wochen ich dieses Jahr schaffe. Wenn man den sozialen Gegenwind betrachtet, der einem als Abstinenzler an Berliner Wochenenden und Feierabenden entgegenweht, könnte das schon schwierig werden.

Letzten Freitagabend habe ich getrickst und mich mit einen Freund extra im Chagall getroffen, wo es auf der langen Cocktailkarte auch genug leckere alkoholfreie Cocktails zu vernünftigen Preisen gibt, sodass meine Abstinzenz meinem Begleiter gar nicht weiter auffiel. Denn wer weiß schon, was sich hinter einem Strawberry Cooler oder einem Multikulti an Zutaten verbirgt.

Am Samstagabend wurde es schon schwieriger. Ich war zum Essen bei Katha eingeladen, die sich beschwerte, sie habe extra Weißwein für mich gekauft, als ich mit meinem Ananassaft in der Tür stand. Beim anschließenden Treffen eines alten Freundes in Aufsturz (ausgerechnet im Aufsturz mit seiner großartigen Bierkarte) wurde es noch schwieriger. Ich hatte mich so über das alkoholfreie Weizen in der Karte gefreut, das dann aber leider ausverkauft war. Also doch erst ein Jever Fun (nicht so dolle) und anschließend eine Club Mate und dazu zahlreiche blöde Kommentare vom alten Kumpel.

Auch mein Freund ist unglücklich über die Aussicht dieses Wochenende mit mir aber ohne Wein zu verbringen. Mal schauen, wie lange meine nichtreligiösen Motive diesem sozialen Druck noch standhalten können.

Was meint ihr? Wer fastet denn von euch? Und worauf verzichtet ihr?

Kommentare:

  1. Hier kommt eine Portion sozialer Rückenwind! :)
    (Für's Fasten allgemein und für dich speziell, weil ich voll gegen diese Art von Gegenwind bin!)

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  2. Na also bitte, ich hab keinen Druck auf dich ausgeübt, sondern mitgemacht beim antialkoholischen Abend!!!
    So wie letzte Fastenzeit, wo ich es sogar auf ganze 5 Wochen ohne Alkohol gebracht hab. Was gar nicht so einfach ist, wenn man auf einer Party mit dem dritten Club Mate in der Hand miterlebt, wie alle anderen immer betrunkener und doofer werden und man sich auch ein paar Promille wünscht, nur um das ertragen zu können... :)
    Aber danach ist man total stolz auf sich selbst!

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  3. bei mir haben 40 tage fleischentzug damit geendet, dass ich seit 15 jahren vegetarierin bin. und zwar glückliche :-)
    ich finde es spannend seine grenzen auszutesten!

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  4. Auch ich verzichte die paar Wochen auf Alkohol, aber wie "Die Ärzte" schon sagen: Kein Alkohol ist auch keine Lösung! Werde aber trotzdem durchhalten und die ganzen aktuellen Horrornachrichten versuchen so zu ertragen...

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  5. Ich danke euch für euren sozialen Rückenwind!

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  6. Übrigens glaube ich, dass das sogenannte "Medienfasten" mir echt am schwersten fallen würde - schwerer als Alkohol o.ä.
    Man stelle sich vor - vier Wochen kein Fernsehen, kein Kino, keine Serien im Internet und kein facebook... DAS wäre mal ein Experiment!

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