Dienstag, 22. März 2011

Auf ins Elsass


Das Doofe an Freiburg: Es ist unfassbar weit weg von Berlin. Das Gute an Freiburg: Man ist ruckzuck im Ausland. Egal ob Frankreich oder die Schweiz, die Ausreise aus dem Bundesgebiet dauert weniger als eine Stunde. Toll! Wahrscheinlich wäre man von Berlin aus ebenso schnell in Polen. Aber das habe ich in den letzten sechs Jahren irgendwie noch nie ausprobiert...
Am Samstag sollte es eigentlich nach Zürich gehen. Aus vielerlei Gründen: Ich war noch nie da. Mein Freund mag die Schweiz. Mein Freund hatte noch einen Gutschein für einen Plattenlanden in Zürich. Und überhaupt!
Mir war Frankreich mit Straßburg von Anfang an etwas lieber: Ich habe immer die passende Währung parat. Ich verstehe die Leute trotz jährlich schwindender Französischkenntnisse immer noch besser als in der deutschsprachigen Schweiz. Der Kaffee ist günstiger. Die Fahrt ist kürzer. Es gibt in Straßburg gleich zwei Filialen von Oysho. Ich mag Flammkuchen!
Im Endeffekt hat keiner der diversen Gründe eine Rolle gespielt. Das Wetter nahm uns die Entscheidung ab. In Freiburg war es grau und nass. In Zürich sollte es noch grauer und noch nasser sein. In Straßburg sollte die Sonne scheinen. Also ab Richtung Nordwesten statt Südosten, und ein perfekter Anlass endlich mal ins Musée Tomi Ungerer zu gehen, von dem mein Freund schon seit Ewigkeiten geschwärmt hat.

Am Eingang musste ich dann leider noch kurz auf Französisch diskutieren, weil die Dame mich trotz meines gültigen Studentenausweises nicht zum tarif reduit reinlassen wollte, da der Studentenrabatt nur für  Studenten „moins vingt-cinq ans“ gilt. Unverschämt! Unmöglich! Leider reichen meine Französischkenntnisse nicht mehr aus, um mich ausführlich über solche Dinge zu beschweren, was bei meiner Vorliebe für Beschwerden wirklich tragisch ist.
Also musste ich zähneknirschend sechs Euro Eintritt bezahlen, ohne zu wissen, was mich eigentlich erwarten würde. Zum Glück waren die Werke des elsässischen Künstlers ebenso kreativ und lustig wie vielfältig. Neben illustrierten Kindergeschichten, in denen ein Katzenpaar überraschenderweise eine Hundebaby bekommt und animierten Filmchen über Zauberhüte gab es im Untergeschoss auch ordentlich Schweinisches, was eher nicht für Kinder geeignet ist: ein Froschkamasutra, S/M-Zeichnungen und Bilder von Pflanzen mit Geschlechtsteilen. Im Obergeschoss wurde es dann politisch und passend zur aktuellen Lage waren auch Anti-Atomkraftplakate dabei.
Einen tollen Spiegel am Boden des Treppenhauses für wunderbare Selbstporträts wie unseres hier gab es auch. Also, die sechs Euro waren gut investiert. Und falls jemand von euch mal länger in Straßburg ist als er shoppen, essen und Kaffee trinken kann, ist das Museum sehr empfehlenswert. Man muss noch nicht mal französisch sprechen können, sofern man sich nicht im der Dame an der Kasse anlegen will: Die Beschreibungen zu den Exponaten sind dreisprachig: Französisch, Englisch und Deutsch.

1 Kommentar:

  1. Wie schöön - Straßburg mag ich auch sehr gerne, muss unbedingt mal wieder hin!

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